Bericht des Geschäftsführenden Direktors
 

D a s   Ereignis des Jahres 1996 war die Begutachtung des Instituts durch den Wissenschaftsrat, (dem Beratungsgremium in Fragen der Forschung und wissenschaftlichen Entwicklung, das von der Bundesregierung und den Ländern eingesetzt ist). Eine Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrates besuchte das Institut für zwei Tage am 5. und 6. Februar. Am 12. Juli wurden die Stellungnahme und Empfehlungen des Wissenschaftsrates veröffentlicht. In seiner Bewertung erkannte der Wissenschaftsrat die Leistungen/Errungenschaften und die überregionale Bedeutung des Instituts in Forschung, Lehre, Diagnostik und Patientenbetreuung an: „Seit der Begutachtung des BNI durch den Wissenschaftsrat im Jahre 1986 hat das Institut einen bemerkenswerten Entwicklungsprozeß durchlaufen. Die Forschungsaktivität wurde deutlich intensiviert. Die wissenschaftlichen Arbeiten sind insgesamt von überdurchschnittlicher, zum Teil auch international herausragender Qualität.“ Die Planungen des Instituts für sein zukünfiges Forschungsprogramm und seine Entwicklung wurden gebilligt. Der Wissenschaftsrat empfahl trotz der insgesamt schwierigen Finanzsituation, daß das Institut mehr Wissenschaftlerstellen haben sollte, um seine Aufgaben erfüllen zu können. Es sollte die Interaktion zwischen der Klinischen Abteilung und den Sektionen und Abteilungen des Instituts ausweiten und die bereits bestehende Kooperation mit dem Universitäts-Krankenhaus Hamburg Eppendorf intensivieren. 

Das Jahr 1996 war ein Jahr der Konsolidierung. Eine der nötigsten Aufgaben war die Ausweitung und Reorganisation der Verwaltung des Instituts, die mit dem Wachstum und der Entwicklung des Instituts nicht Schritt gehalten hatte. Eine moderne Kosten-Leistungsrechnung und eine Finanzabteilung wurden eingerichtet. Bei den Wirtschaftsplanverhandlungen für 1997 mit den Ministerien in Bonn und Hamburg gelang es dem Institut, die Finanzierung von drei zusätzlichen Wissenschaftlerstellen zu erreichen. Außerdem standen 1996 mehr als 6 Mio DM Drittmittel von verschiedenen Geldgebern zur Verfügung. 

Auch das Äußere des Instituts wird nun renoviert. Die Restaurierung der Fassade  wurde in Angriff genommen. Die Hälfte des Gebäudes wurde eingerüstet und mit Folie verpackt, die Fenster wurden versiegelt, anhaltendes Bohren mit Preßluftbohrern begann. Alle 351 Fenster des Gebäudes müssen ausgetauscht werden. Es war bewundernswert, daß trotz permanenten Lärms und trotz der in den Räumen gestauten Hitze die Forschungsarbeiten, sogar mit erhöhter Produktivität, fortgeführt wurden. 

Die Planung der Kooperativen Forschungsstation des Instituts in Afrika wurde fortgesetzt. Die Hauptkriterien für die Auswahl des Ortes waren politische Stabilität, Vorkommen wichtiger tropischer Infektionen, geeignete Forschungspartner und Infrastruktur sowie Sicherheitsaspekte. Eine Erkundungsreise von Dr. Thomas Kruppa und Dr. Ernst Diekmann von Macenta, Guinea, ausgehend in die Region von Kumasi, Ghana, ergab, daß hyperendemische Regionen für Onchocerciasis südlich von Kumasi existieren. Es schlossen sich erfolgreiche Verhandlungen von Professor Rolf Horstmann mit Ghanaischen Behörden an, die zu der Entscheidung führten, die zukünftige Kooperative Forschungsstation des Instituts an der Universität von Kumasi zu etablieren. Inzwischen wurde die Onchocerciasis-Forschung in dem provisorischen Labor in Macenta intensiviert. Ein vollständig ausgerüstetetes Labor für Zellkulturen und Immunologie ist jetzt verfügbar mehr als 800 km und 14 Stunden Autofahrt von der Hauptstadt Conakry entfernt. Flächenuntersuchungen in Dörfern zur Diagnose und anschließenden Behandlung mit Ivermectin wurden durchgeführt. O. volvulus Würmer und Mikrofilarien werden ebenso wie Patienten-Lymphozyten und Seren ständig zur weiteren Bearbeitung nach Hamburg gesandt. 

Ein sorgfältige Untersuchung durch unabhängige Gutachter ergab erfreulicherweise, daß die Anschuldigungen gegen die Klinische Abteilung, Patienten unsachgemäß behandelt zu haben, unbegründet waren. Professor Manfred Dietrich wurde voll rehabilitiert. Dr. Klaus Lingelbach, Leiter der Arbeitsgruppe Malaria, nahm eine Position als C3 Professor in der Abteilung Zoologie der Philipps-Universität Marburg an. Ich lehnte einen Ruf auf den Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie an derselben Universität ab. Zwei Mitglieder des Institutes, Dr. Barbara Bröker und Dr. Joachim Clos, habilitierten sich an der Universität Hamburg. Wieder wurde von Mitarbeitern des Instituts ein großer Kongress organisiert: Die 27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Immunologie fand im September 1996 in Hamburg mit mehr als 800 Teilnehmern statt. 

Zusammenfassend ist zu sagen, daß das Bernhard-Nocht-Institut sich in einem ausgezeichneten Zustand befindet. Seine Leistungen sind anerkannt worden, sein Forschungsmittelbudget konnte gesteigert werden, und seine zukünftige Existenz ist gesichert. 


 
Bernhard Fleischer